Spektakuläre Rettungsmanöver auf der Ostsee
Gekenterte Boote, verletzte Jugendliche im flachen Wasser und ein Offshore-Rettungshubschrauber im Tiefflug: Wie unsere Wachmannschaft vor Rügen bewies, dass im Ernstfall jede Sekunde und jeder Handgriff sitzt.
Um bei komplexen Notfällen auf dem Wasser jede Sekunde optimal zu nutzen, haben unsere im Wachdienst der Station Binz eingesetzten Rettungsschwimmer der DLRG Lorsch e.V. eine großangelegte, hilfsorganisationsübergreifende Rettungsübung direkt an der Seebrücke Binz organisiert und geleitet. Im Rahmen des Zentralen Wasserrettungsdienstes Küste (ZWRD-K) probten wir gemeinsam mit starken Partnern zwei parallele, hochdynamische Einsatzlagen vor der Küste Rügens.
Insgesamt waren 22 Einsatzkräfte der DLRG, 10 Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Binz sowie die Besatzung des Offshore-Rettungshubschraubers „Northern Rescue 02“ von Northern Helicopter an dem Trainingsszenario beteiligt. Ein besonderer Mehrwert lag in der engen Zusammenarbeit innerhalb der DLRG: Neben unserem Lorscher Team unterstützten auch Einsatzkräfte der benachbarten DLRG-Station Prora die Übung tatkräftig. Da unsere Stationen im realen Schadensfall eng zusammenarbeiten und sich gegenseitig ergänzen, ist das gemeinsame Einstudieren der Abläufe ein wichtiger Baustein für die Sicherheit der Badegäste und Wassersportler in der gesamten Bucht.
Realitätsnahe Belastungsprobe: Zwei Notfälle zur gleichen Zeit
Um das Zusammenspiel unter realistischen Stressbedingungen zu testen, war den Wachgängern und Trupps die genaue Lage vorab nicht im Detail bekannt. Die Einsatzleitung musste zwei parallele Notfälle koordiniert abarbeiten:
Bootskollision und Seilwindenrettung auf See: Durch Unachtsamkeit kollidierten zwei Boote unweit der Seebrücke. Ein Boot kenterte durch den Aufprall, wobei eine Person orientierungslos unter dem Rumpf eingeschlossen wurde und von unseren Rettungsschwimmern befreit werden musste. Der Bootsführer des zweiten Bootes stürzte ohne angelegte Quickstop-Sicherung über Bord und trieb auf das offene Meer hinaus. Da sein Boot unkontrolliert weiterfuhr, galt der Fahrer als vermisst. Unsere Motorrettungsboote koordinierten gemeinsam mit dem Offshore-Rettungshubschrauber aus der Luft eine strukturierte Suchkette. Nach der Lokalisierung des Verunglückten erfolgte eine der anspruchsvollsten Disziplinen der Seenotrettung: Die Aufnahme des Patienten direkt aus dem Wasser über die Seilwinde in den Offshore-Rettungshubschrauber „Northern Rescue 02“.
Schwerer Badeunfall an der Seebrücke: Zeitgleich kam es direkt an der Seebrücke zu einem dramatischen Badeunfall. Trotz des bekannten Verbots sprangen zwei Jugendliche in das zu flache Wasser. Nachdem der erste Jugendliche beim Absprung verunglückte, eilte der zweite ihm sofort zur Hilfe, sprang ebenfalls ins Wasser und zog sich dabei selbst schwere Verletzungen zu. Die Rettungskräfte standen vor der Herausforderung, beide Personen im Wasser medizinisch erstzuversorgen und gleichzeitig – wegen des dringenden Verdachts auf Kopf- und Wirbelsäulentraumata – absolut schonend an Land zu transportieren. Hierbei bewährte sich der routinierte Einsatz spezieller Spineboards zur Immobilisierung der Wirbelsäule.
Abstimmung und Sicherheit bei der Luftrettung
Die Rettung über die Seilwinde eines Offshore-Hubschraubers erfordert präzise Abstimmung, Vertrauen und strikte Sicherheitsvorkehrungen. Die freiwilligen Darsteller im Wasser wurden im Vorfeld umfassend mit Helmen, Prallschutzwesten, Gehörschutz und Restube-Rettungsgeräten ausgestattet. Bereits am Tag vor der Übung fand am Standort von Northern Helicopter ein gemeinsames Briefing mit allen Verantwortlichen und den Darstellern statt, um die Übungsabläufe und Sicherheitsaspekte exakt abzustimmen.
Bei der eigentlichen Seilwindenrettung wird die betroffene Person im Wasser nicht sich selbst überlassen: Ein spezialisierter HEMS (Helicopter Emergency Medical Services Crew Member) von Northern Helicopter wird an der Winde direkt ins Wasser abgelassen, sichert die verunglückte Person vor Ort und nimmt sie für die Wasserrettung gemeinsam mit sich auf in den Rettungshubschrauber.
Das nahtlose Ineinandergreifen von Wasserrettung, Feuerwehr und Luftrettung hat bei diesem anspruchsvollen Training hervorragend funktioniert. Dass diese Großübung im Rahmen des ZWRD-K direkt aus den Reihen unserer Wachmannschaft der DLRG Lorsch e.V. heraus organisiert und gemeinsam mit der Station Prora gestemmt wurde, zeigt das enorme Engagement unserer ehrenamtlichen Einsatzkräfte vor Ort. Im Ernstfall an der Küste müssen alle Zahnräder ineinandergreifen – Übungen wie diese schaffen dafür das perfekte Fundament.



